Der Schauspieler Theodor Döring sagte schon Mitte des vorigen Jahrhunderts: "Oh, dies Berliner Publikum! Seh'n Sie, in der ganzen Welt geht der Mensch ins Theater, um seine Freude daran zu haben. Nur der Berliner geht ins Theater, um diese Freude n i c h t zu haben. Und diese ist seine einzige Freude. Auf diese Freude wartet er. Deshalb setzt er sich ins Parkett nicht als ein dankbarer Zuschauer, sonderen wie ein Sonntagsschütze, der sich in eine Sandkuhle legt, um einen armen Hasen abzumorden. Der Hase aber, auf den er wartet, das ist der Fehler oder auch bloß der anscheinende Fehler, den der arme Schauspieler da oben machen soll. Weh' ihm, wenn er ihn nicht macht, dann ist er vollends verloren. Aber, Gott sei Dank, der Fall tritt nicht ein. Jetzt steckt der Hase den Kopf raus, der Fehler ist da, und nun knallt es los. Das ist das, was der Berliner sein Theatervergnügen nennt. (Gustav Knuth (1901-87), dt. Schauspieler)